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So lauschte eines Tages Rübezahl, hinter Busch und Hecken verborgen, als plötzlich die Gestalt eines anmutigen Mädchens vor ihm stand. Rings um sie hatten sich ihre Gespielinnen ins Gras gelagert an einen Wasserfall, der seine Silberflut in ein kunstloses Becken goß, und scherzten mit ihrer Gebieterin in unschuldvoller Fröhlichkeit.
Dieser Anblick wirkte so wundersam auf den lauschenden Berggeist, daß er seiner geistigen Natur und Eigenschaft vergaß und das Los der Sterblichen wünschte, um nach Art der Menschen zu empfinden.

Deshalb verwandelte er sich in einen schwarzen Kolkraben und schwang sich auf einen hohen Eschenbaum, der das Wasserbecken überschattete, um das anmutsvolle Schauspiel zu genießen. Doch dieser Plan war nicht zum besten ausgedacht; er sah alles mit Rabenaugen und empfand als Rabe; ein Nest Waldmäuse hatte jetzt für ihn mehr Anziehendes als das Mädchen, denn die Seele wirkt in ihrem Denken und Wollen nie anders als in Gemäßheit des Körpers, der sie umgibt.

Diese Bemerkung war ebenso schnell gemacht, als der Fehler auch verbessert war; der Rabe flog ins Gebüsch und verwandelte sich in einen blühenden Jüngling. Das war der rechte Weg.

Die schöne Maid war die Tochter des schlesischen Fürsten, der in der Gegend des Riesengebirges damals herrschte. Sie pflegte oft mit den Jungfrauen ihres Hofes in den Hainen und Gebüschen des Gebirges zu lustwandeln, Blumen und duftende Kräuter zu sammeln oder für die Tafel ihres Vaters ein Körbchen Waldkirschen oder Erdbeeren zu pflücken und, wenn der Tag heiß war, sich bei der Felsenquelle am Wasserfalle zu erfrischen und darin zu baden. Von diesem Augenblick an war der Berggeist an diesen Ort wie gebannt und täglich harrte er der Wiederkehr der fröhlichen Gesellschaft.

Aus: Rübezahl, Deutsche Volksmärchen vom Berggeist und Herrn des Riesengebirges